Werkstattbericht Sinn 143 – Generalüberholung nach Sturzschaden

Im Auftrag eines Kunden wurde ein Sinn mit Lemania 5100 Chronographenwerk einer vollständigen Generalüberholung unterzogen. Die Uhr war bei einer Motorradfahrt mit etwa 160 km/h vom Handgelenk gerissen worden, schlug zunächst auf dem Asphalt auf und wurde anschließend in den Straßengraben geschleudert, wo sie schließlich zum Liegen kam. Bis auf die drehbare Lünette konnten alle wesentlichen Bauteile wieder aufgefunden werden. Bemerkenswert ist, dass die Uhr trotz dieses massiven Unfalls noch anlief.

Für den Kunden besitzt diese Uhr einen hohen ideellen Wert. Entsprechend bestand der ausdrückliche Wunsch, den Chronographen – soweit technisch sinnvoll und verantwortbar – wieder instand zu setzen und langfristig tragbar zu machen. Ziel war es dabei nicht eine kosmetische Neuwertigkeit, sondern eine technisch zuverlässige Uhr unter Erhalt ihres historischen Charakters.

Modellhistorie und Uhrwerk

Bei der Uhr handelt es sich um eine Sinn 143, ein Modell aus den 1980er-Jahren, das in direkter Linie mit den professionellen Einsatz- und Fliegerchronographen von Sinn steht. Ausgestattet ist die Uhr mit dem bekannten Lemania 5100 Chronographenwerk. Dieses Automatikwerk verfügt über einen zentralen Minuten- und Stundenzähler und wurde speziell für den robusten Einsatz konzipiert.

Das Lemania 5100 wurde ab Ende der 1970er-Jahre entwickelt und bis in die frühen 2000er-Jahre produziert. Es kam in zahlreichen Einsatz- und Militärchronographen zum Einsatz, unter anderem bei Sinn, Heuer, Omega und Tutima. Besonders geschätzt wird dieses Werk für seine hohe Stoßfestigkeit, die gute Ablesbarkeit sowie die funktionale Auslegung unter realen Einsatzbedingungen.

Gleichzeitig gilt das Lemania 5100 unter Uhrmachern als vergleichsweise serviceunfreundlich. Gründe hierfür sind der hohe Anteil funktionaler Kunststoffbauteile, die spezielle Konstruktionsweise sowie die heute zunehmend eingeschränkte Ersatzteilverfügbarkeit. Eine fachgerechte Revision erfordert daher Erfahrung, Sorgfalt und eine sorgfältige Abwägung zwischen Originalerhalt und technischer Zuverlässigkeit.

Zielsetzung der Revision

Im Rahmen dieses Werkstattauftrags lag der Fokus darauf, das Uhrwerk vollständig zu zerlegen, systematisch auf Sturz- und Folgeschäden zu prüfen und alle relevanten Baugruppen instand zu setzen. Besonderes Augenmerk galt dabei der Chronographenmechanik, den Lagerstellen sowie der automatischen Aufzugseinheit. Ziel war es, die Uhr nicht nur optisch, sondern vor allem technisch wieder in einen zuverlässigen und alltagstauglichen Zustand zu versetzen.

Der folgende Werkstattbericht dokumentiert die einzelnen Arbeitsschritte sowie die Besonderheiten dieser Revision im Detail.

Zerlegen des Lemania 5100 Werks

Die folgenden Bilderserien zeigen Schritt für Schritt und in zeitlicher Reihenfolge das Zerlegen des Chronographenwerks in seine einzelnen Bestandteile. Zu jedem Bild ist – soweit sinnvoll – ein kurzer erläuternder Text ergänzt, der die Funktion und Aufgabe des jeweils ausgebauten Werkteils beschreibt.

Zerlegen der Zifferblattseite mit Chronomodul

Zerlegen der Werkseite

Das Gehäuse

Wie auf den Bildern deutlich zu erkennen ist, wurde das Gehäuse durch den Unfall stark in Mitleidenschaft gezogen. Insbesondere auf der Kronenseite ist der Gehäuserand deutlich eingedrückt, was auf die enorme mechanische Belastung beim Aufprall schließen lässt. Zusätzlich sind zahlreiche Kratzer und Materialverformungen sichtbar, die die Heftigkeit des Ereignisses dokumentieren.

Das Uhrglas sowie die Aufzugwelle wurden im Zuge der Instandsetzung erneuert, da diese Bauteile beschädigt waren und keine zuverlässige Funktion mehr gewährleisteten.

Gut erkennbar ist außerdem die ringförmige Nut im Gehäuse. Dabei handelt es sich um den sogenannten Lünettensitz beziehungsweise die Lünettennut. In dieser Nut war ursprünglich die drehbare Lünette gelagert. Die Lünette selbst konnte nach dem Unfall nicht mehr aufgefunden werden und fehlt daher zum Zeitpunkt dieser Dokumentation.

Das abgebildete Gehäuse zeigt den Zustand nach der vollständigen Demontage und vor weiteren Aufarbeitungsmaßnahmen.

Bildergalerie folgt

Fazit

Trotz des massiven Sturzschadens ließ sich diese Sinn 143 technisch sinnvoll instand setzen. Im Alltag zeigte sich nach der Revision ein stabiles Laufverhalten inklusive zuverlässig arbeitender Chronographenfunktion, auch wenn die Gangwerte auf der Zeitwaage lediglich knapp im ausreichenden Bereich lagen.

Vor diesem Hintergrund ist es bemerkenswert, dass das Lemania-5100-Werk nach diesem Unfall überhaupt wieder dauerhaft lauffähig ist.

Wenn Sie ebenfalls Interesse an einer professionellen Revision oder Beratung für Ihre Uhr haben, zögern Sie nicht, über mein Kontaktformular mit mir in Verbindung zu treten – ich freue mich auf Ihre Nachricht.

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